Die bewegte Geschichte des Portraits
Das Portrait war Königen vorbehalten. Jahrtausendelang.
Allenfalls finanzstarke Kaufleute konnten sich zumindest bildlich auf diese Ebene ab der Renaissance begeben. Maler wie Rembrandt oder Vermeer - bis heute wiederum unerreicht - schufen Kunstwerke von Bettlern und Bürgern in Meisterwerken aus Licht und Schatten.
Jeder kennt sie, die langen Ahnengalerien, die uns in alten Schlössern und Museen ehrwürdig von der Wand herab entgegenblicken. Manchmal noch fast wie lebendig, in anderen Fällen schon verdunkelt von der Zeit, schauen wir unseren Vorfahren in die Gesichter. Wir fragen uns, wer sie waren, was sie erlebten, ob sie dachten und fühlten wie wir. Dank dieser Portraits können wir uns eine kleine Vorstellung davon machen, wir haben Bilder zu den vielen Namen derer, die unsere Geschichte prägten.
Doch was einst in der Hauptsache Königen und Adligen vorbehalten war, ist heute eine Kunst geworden, die für jedermann erschwinglich ist: Portraitmalerei.
Ob im Atelier, auf der Straße und den Brücken, auf Märkten oder Hochzeiten, moderne Portraitmaler bieten ihr Können für viele Gelegenheiten und für jeden Geldbeutel an.
Manche Abbildungen zeigen nur Gesicht und Schultern, andere bilden den Oberkörper mit ab und wieder andere zeigen den ganzen Menschen, sitzend, stehend, zu Pferde, musizierend oder lesend, allein, zu zweit, mit der ganzen Familie oder dem Lieblingshaustier.
Der Kopf kann in der Vorderansicht, im Profil oder gedreht in der Dreiviertelansicht dargestellt sein, je nach Wunsch und thematischer Einbindung. Portraits sind vielseitig und seit jeher beliebt.
Doch woher stammt der Wunsch, das eigene Gesicht oder das eines lieben Menschen um sich zu haben? Gibt es die klassischen Ahnengalerien noch heute? Was hat sich geändert, was ist gleich geblieben?
Das Portrait – eine uralte Kunst
Bereits im alten Griechenland um 500 vor Christus wurde die Kunst des Portraitierens gepflegt, wie wir aus alten Quellen und einigen Beschreibungen aus dieser Zeit wissen. Auch auf italienischem Boden schuf man Bildnisse berühmter Persönlichkeiten. Ein Beispiel dieser Zeit ist das Wandbild der Sappho in Pompeji, einer griechischen Dichterin, die für ihre erotische Lyrik bekannt war und ist.
Im Mittelalter trat der Mensch als Individuum hinter dem Glauben zurück. Damit änderte sich auch der Stil der Portraitmalerei: In die Darstellung biblischer Szenen waren kleine Bildnisse eingefügt, die den jeweiligen Stifter des Kunstwerks, etwa den Papst oder einen Bischof, zeigten. Da das Hauptaugenmerk des Betrachters jedoch auf den christlichen Figuren liegen sollten, sind diese Stifterportraits stets in kleinerem Maßstab gehalten.
Im Übergang zur Renaissance war es beispielsweise der italienische Maler Giotto di Bondone, der solche Auftragswerke für Papst Benedikt XI. und König Robert von Neapel anfertigte.
Vom Bibelbild zur Selbstdarstellung – Portraitmalerei im Mittelalter und in der Renaissance
Ab dem 14. Jahrhundert sind (wieder) die ersten Bildnisse überliefert, die einen Menschen so darstellen, wie wir es heute meistens als Portrait verstehen:
Allein und als Brust- oder Hüftbild. Doch sind es nicht nur Könige und Päpste, die wir auf den Renaissancekunstwerken sehen. Gut betuchte Persönlichkeiten ließen sich ebenfalls malen, etwa Universitätsprofessoren oder reiche Kaufleute.
Rembrandt – der Meister von Licht und Schatten
Rembrandt Harmenszoon van Rijn (1606-1669) war der vielleicht Größte des an großen Künstlern nicht gerade armen Goldenen Zeitalters der Niederlande. Er schuf mit der Nachtwache das berühmteste Gemälde des Landes und so viele Selbstbildnisse wie kaum ein anderer Maler. Mal lachend und grinsend, mal überrascht, nachdenklich oder resignierend hat er sich immer wieder selbst studiert und dargestellt. Vor 350 Jahren, am 4. Oktober 1669, starb Rembrandt.
Rembrandt wird 1606 in Leiden als Sohn eines wohlhabenden Müllers geboren und wächst zusammen mit acht Geschwistern wohlbehütet auf. Nach dem Besuch der Lateinschule schreibt er sich 1620 an der Universität seiner Heimatstadt ein. Doch bereits im ersten Semester bricht er das Philosophiestudium ab und geht stattdessen beim "Höllenmaler" Jacob van Swanenburg in die Lehre. Mit 18 Jahren zieht er nach Amsterdam und setzt dort seine Ausbildung bei Pieter Lastman fort. Zurück aus Amsterdam eröffnet er zusammen mit seinem Malerfreund Jan Lievens ein Atelier und nimmt erste Schüler an.
Gesellschaftlicher Aufstieg
Mit 25 wagt Rembrandt den Sprung zurück ins boomende Amsterdam und kauft sich beim Kunsthändler Hendrik Uylenburgh ein. Die Grachtenstadt ist im 17.Jahrhundert die Handels- und Finanzmetropole Europas und ihre reichen Bürger lassen sich die Repräsentation einiges kosten. Uylenburgh kennt den Markt und besorgt die Aufträge. Über ihn lernt der Maler auch seine zukünftige Frau kennen. Saskia van Uylenburg ist die Tochter eines Bürgermeisters der friesischen Hauptstadt Leeuwarden – und die Nichte des Amsterdamer Kunsthändlers. Es spricht alles dafür, dass es eine Liebesheirat gewesen ist, denn aus Sicht der Patriziertochter Saskia macht die Ehe mit dem Müllerssohn eigentlich keinen Sinn.
Rembrandt ist besonders für seine Verwendung von Schatten und Licht bekannt. Durch die auch als Chiaroscuro bezeichnete Hell-Dunkel-Malerei holte er Ereignisse und Figuren in seinen Gemälden in den Vordergrund, um ihnen einen dramatischen und dynamischen Effekt zu geben. Während seine Werke sich bei Sammlern auch nach seinem Tod großer Beliebtheit erfreuen und hohe Preise erzielen, wird seine Malweise in der Kunstkritik und Kunstliteratur des Klassizismus negativ bewertet. Man wirft ihm Vulgarität vor, denn er ziehe als Modell ein Bauernweib einer Venus vor, klatsche die Farben so dick auf die Leinwand, dass man das Bild daran hochheben könne und auch sonst verachte er die klassischen Ideale.
Doch im 19. Jahrhundert wandelt sich das Bild. Nun gilt er als ein Genie, dem niemand gleichkomme. Entsprechend groß ist das Interesse von Händlern und Sammlern an "echten" Rembrandts. Die Bestimmung der Eigenhändigkeit von Rembrandts Werken fiel bereits seinen Zeitgenossen schwer, da sie von denen anderer Künstler wie Govert Flinck, Jan Lievens oder Aert de Gelder häufig kaum zu unterscheiden sind. Zudem wurden in seiner Werkstatt Kopien und Varianten angefertigt, die nicht eindeutig einem bestimmten Künstler zugeordnet werden können.
Solche Ungewissheiten spiegeln auch die Rembrandt-Werkverzeichnisse: Ein erstes von 1836 zählt 588 Gemälde auf, eines von 1923 sogar über 700. Nach jahrzehntelanger kritischer Sichtung geht die Fachwelt mittlerweile davon aus, dass sein Gesamtwerk etwa 350 Gemälde, 300 Radierungen und 1.000 Zeichnungen umfasst. Zu den Abschreibungen zählen auch so prominente Werke wie "Der Mann mit dem Goldhelm" der Berliner Gemäldegalerie.
Das Risiko, einen Fehlgriff zu tun, scheint aber niemanden abzuschrecken. Die beiden größten Ganzfigurenporträts, die Rembrandt je schuf - lebensgroße Bildnisse des Ehepaares Marten und Oopjen Day – gingen 2016 für 160 Millionen Euro an den Louvre und das Rijksmuseum und werden dort wechselweise exklusiv gezeigt. Und beim sogenannten "Fahnenträger", den Jakob Mayer Rothschild 1840 für 840 Pfund bei Christies ersteigerte, geht es dem Vernehmen nach um 150 Millionen Euro. Der berühmteste Vertreter der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts ist also zumindest auf dem Kunstmarkt immer noch ein Goldjunge.
Die großen Meister zu erreichen ist ein kühnes Vorhaben - sie nachzuahmen ist stetes Streben. Zumindest ist das Spiel von Licht und Schatten die Grundidee unseres Design-Paketes.